Freitag, 22. Dezember 2006

Hufschlag und Fluchen und der Schrei einer Magd
in der Scheune geschändet zum wirren Gelächter.
Wer jetzt noch ins Dunkle zu spähen sich wagt,
wird gnadenlos Opfer der grimmigen Schlächter,
dem die nächtlichen Schemen die Adern zerfleischen,
wenn die hungernden Rudel der heulenden Hunde
ihren Anteil am blutigen Mahle erheischen
von Hexern und Teufeln zur Mitternachtsstunde.
Behänge die Balken mit Knoblauchzöpfen.
Mit Weihwasser musst du die Türen besprengen,
wenn ums Haus tobt die Hatz der Gespenstergeschöpfe,
die mit flackernden Fackeln zum Eingang sich drängen.
Halt die Ohren dir zu , schließ fest deine Augen,
hinter den Ofen verkriech dich zum Beten.
Das Weihwasser trocknet, dein Hirnblut saugen
mit Schmatzen die Gäste, eh' sie dich zertreten.
Montag, 18. Dezember 2006
He! Du da, Nachbar,
hast du auch verloren?
Was meinst du?
Alles, da wir es jetzt missen.
Wir sind ja zum Verlieren auserkoren,
glaube mir nur,
sie schwatzen voll dir deine Ohren,
um dir zu schmeicheln, dich zu locken,
doch alles, was man will,
man, wie ich es meine,
sind die anderen,
ist dich zu leeren,
bis dass du schließlich trocken
für niemand mehr von Interesse
und selbst deine Fresse
zum Reinhauen nicht mehr reizt!
Schrei!
Recht so, doch das Geschrei
wir dich nicht retten.
So lauf, eh! lauf, he! lauf davon...
was bin ich schon
im Strom des Lebens
Treibholz vielleicht
das noch Erinnern trägt
an fernen Forst und Stürme
Zwischen dem glatten Spiegel
und dem vorgeneigten Kopf
stützt sich mein flachgelegter Unterarm,
auf den ich meine Stirne lege.
So kann ich meinen Blick nach innen richten
und bei Gedanken, auch den trägen, schweren,
ein wenig weilen, hier am Abort einer Schänke,
in der für wenig Geld
man schlechten Wein mir reichte,
den jetzt ich mühsam doch befreiend
aus mir fließen lasse.
Wie kam ich denn hierher
und weiß ich, was ich hier
zu finden hoffte?
Ich suchte nichts
und das war's, was ich fand
hier am Aborte,
Stirn auf Unterarm
auf Spiegel oder Wand.
Mittwoch, 08. November 2006
Manch Quasi Dichter leidet unter Magenwinden,
doch kann man so Verkrampfte oft in Foren finden,
wo ihnen Flatulenz im Wortstreit sehr gefällt.
Sie treten patzig auf. Sie fordern Anerkennung
und werden wütend, wenn ich meine Nase rümpfe.
Man seufzt „Jetzt kommt auch der noch..!“ bei der Namensnennung,,
doch tröstet der Gedanke an des Tümpels Sümpfe!
Donnerstag, 02. November 2006
Lass deinen Fuß aus der Sandale gleiten
und beuge deinen Nacken vor dem Schwert!
Der kalte Spott, den du in jenen Zeiten
auf meine Werbung höhnisch ausgeleert,
wird nun, da Liebe sich in Hass verkehrt,
vernichtend deinen Untergang bereiten.
Des Büttels Peitschenschlag zerriss die Lippe,
die helle Schöne dunkelt blut’ger Schwall,
dein Haar geschert mit einer krummen Hippe,
so stieß man nackt dich in den Schweinestall.
Bejubelt von der Menge ward dein Fall.
Sie heischte selbst den Tod für deine Sippe.
Noch einmal wollt’ ich deinen Jammer sehen,
doch wie ich näher trat, ward ich getroffen
von einem Blick, in dem ein einzig Flehen,
ein stummer Schmerzensschrei, ein letztes Hoffen
die einst so schönen Lider quälte offen:
Den Tod! Ich wandte lächelnd mich zum Gehen!
Sonntag, 29. Oktober 2006
Sie waren beide jung.
Im Hass und Gleichmut der Umgebung so erfahren,
dass sie sich selber nicht mehr mochten.
Bis die Begegnung ihnen wie mit Seidentuch,
sein Blick auf sie, ihr Blick auf ihn,
all das Gewusste aus gequälten Mienen aufsog.
Er griff nach ihren Händen oder war es sie,
das ließ sich später nicht mehr klären,
zu einem weiten Gang durch das Geschrei der Stadt.
Sie hörten nicht die Unmutsrufe, das Verkäuferlocken,
als dann ihr Gang ein Laufen, Springen, Tanzen wurde
zur Musik, die nur in ihnen war und die sie trug
hin zu der Brücke, die den Wildbach überwölbte.
Ein Lachen, glücklich wie ein Jauchzen klang der Schrei,
mit dem sie in die Fluten stürzten,
die ihre ineinander sich umklammernd Leiber
noch lange, lange mit sich trugen,
bis sie das Meer befreite.
Samstag, 28. Oktober 2006
Der Zug, er nähert sich dem Ziele.
Im Wasserkessel fröstelt Wasser.
Der Fahrgast denkt schon an Kaffee.
Der Wasserkessel wärmt das Wasser.
Der Fahrgast hat bereits bestellt.
Der Zug hat fast sein Ziel erreicht.
Der Fahrgast wartet noch geduldig.
Der Zug erreicht, durchquert sein Ziel.
Im Wasserkessel dampft das Wasser.
Der Zug fährt aus dem Ziel ins Ungewisse.
Vom Kessel durch den Filter zischt das Wasser.
Der Fahrgast schließt die Augen beim Kaffeegenuss.
Der Wasserkessel ist vertrocknet.
Der Zug erstickt im schienenlosen Nichts.
Vom Fahrgast gibt es keine Spuren.
Freitag, 29. September 2006
Mich trug in fremdes land der reim
Wo seltsam dinge sich ergaben
Amöben schmatzten urweltschleim
Aus weltgeists brüsten sich zu laben
Der feuchtmond stach der augen star
Zerriss den schmutz’gen vorschauschleier
Indes der gärtopf gärte gar
Zum lustmahl der eunuchen eier
Realität und fluch des wahren
Darüber gab es kein entscheiden
Und strotzte trotzdem vor gefahren
Das nebelkleid der götter leiden
Wie schön die alte weise klang
Wie zärtlich pflegte lied und wort
Befreit von inhalt leergesang
In einem fort, in einem fort…
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