Sonntag, 29. Oktober 2006
Sie waren beide jung.
Im Hass und Gleichmut der Umgebung so erfahren,
dass sie sich selber nicht mehr mochten.
Bis die Begegnung ihnen wie mit Seidentuch,
sein Blick auf sie, ihr Blick auf ihn,
all das Gewusste aus gequälten Mienen aufsog.
Er griff nach ihren Händen oder war es sie,
das ließ sich später nicht mehr klären,
zu einem weiten Gang durch das Geschrei der Stadt.
Sie hörten nicht die Unmutsrufe, das Verkäuferlocken,
als dann ihr Gang ein Laufen, Springen, Tanzen wurde
zur Musik, die nur in ihnen war und die sie trug
hin zu der Brücke, die den Wildbach überwölbte.
Ein Lachen, glücklich wie ein Jauchzen klang der Schrei,
mit dem sie in die Fluten stürzten,
die ihre ineinander sich umklammernd Leiber
noch lange, lange mit sich trugen,
bis sie das Meer befreite.
Samstag, 28. Oktober 2006
Der Zug, er nähert sich dem Ziele.
Im Wasserkessel fröstelt Wasser.
Der Fahrgast denkt schon an Kaffee.
Der Wasserkessel wärmt das Wasser.
Der Fahrgast hat bereits bestellt.
Der Zug hat fast sein Ziel erreicht.
Der Fahrgast wartet noch geduldig.
Der Zug erreicht, durchquert sein Ziel.
Im Wasserkessel dampft das Wasser.
Der Zug fährt aus dem Ziel ins Ungewisse.
Vom Kessel durch den Filter zischt das Wasser.
Der Fahrgast schließt die Augen beim Kaffeegenuss.
Der Wasserkessel ist vertrocknet.
Der Zug erstickt im schienenlosen Nichts.
Vom Fahrgast gibt es keine Spuren.
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